Tolle Sonnenuntergänge in Sibirien

Tolle Sonnenuntergänge, langweilige Fichten und Birken. Es gab Zeiten da war die Hütte voller Leben, da entstand in ihr Leben, mal heimlich, mal ganz offen. Sie war Geburtsstätte, nun ist sie Totenhaus. Ganze Familien lebten hier, sie wurde erbaut, erlebt, geliebt. Sie war umkämpft, sie wurde verlassen, neu gefunden und für so viele Dinge genutzt, dass sie selbst schon nicht mehr alles aufzählen kann.

Doch dass sie mal ein Heim war, daran erinnert sie sich noch, und das ist es, was die Leute immer wieder zu ihr zieht, diese Reste an familiärer Wärme, dieser Schutz und Trutz auch in den kältesten Nächten, wenn der Wind über die Steppe weht und mit den Wölfen um die Wette heult. In ihr ist noch kein Feuer ausgegangen, wenn man es nicht wollte.

Es ist eine gute Hütte, umgeben von Birken auf drei Seiten, in einer kleinen Lichtung gelegen, nicht weit vom Bahndamm der transsibirischen Eisenbahn, irgendwo im russischen Nirgendwo zwischen hier und dort. Ich bin vorbei geeilt, bin eingelullt gewesen von all diesen Birken wie mit Kinder Fatboy Sitzsack , die einem die Sinne effektiver vernebeln als der hiesige Vodka.

Und genau das ist es, was sie seit so vielen Jahren so gut verbirgt. Ja, sie ist gut versteckt. Gut verborgen. „Was starrst Du da eigentlich so geheimnisvoll murmelnd aus dem Fenster?“ reißt mich Peer auf einmal aus meinen Gedanken. „Da gibt es doch nix zu sehen außer Birken!“. Ich lächle wissend, nicke etwas geheimnisvoll und flüstere nur „ja, nur Birken, sonst ist hier nichts zu sehen“. Er würde es nicht verstehen. Die Hütte und ich, wir teilen nun dieses Geheimnis. Und das ist bei mir gut verborgen.

Dabei sind Birken so so wunderschön! Ihr Banausen! Und nur jemand, der auch mal die Ruhe geniessen kann und die Einsamkeit Sibiriens, wird diese Strecke als so positiv sehen können, wie ich. Nur so viel Ruhe und Einheitlichkeit können einen erst zu den tiefsten Gedanken in seinem Unterbewusstsein führen! Abwechslung lenkt doch nur davon ab!

Wenn zwischendurch mal eine kleine Buche aufgetaucht wäre, hätte mich das jedenfalls nicht gestört 😉 Aber ich wollte das nicht als Kritik verstanden wissen. Eher als kleine Geschichte aus meinem Unterbewusstsein… Hast schon recht, wenn man da eine Weile sitzt und hinausschaut, dann gerät man unweigerlich ins träumen. Es war definitiv die Erfahrung wert.

Meine lieben Freunde, ich danke euch für die letzte Stunde in meinem gehetzten Leben! Ich muss zugeben, dass ich euch bzw. euren Blog die letzten Tage ein wenig vernachlässigt habe. Doch nun ist alles nachgeholt. Wobei ich ja dank familiärer mails wusste, wie es um euch steht…