Die Mönche in der Realität

Dann kamen wir am Haupttempel an. Der Kontakt zu den Mönchen ergibt sich beim Souvenirkauf. In Reih und Glied spazierten wir in einer schwatzenden Masse an rosa, gelben und himmelblauen Plastikplanen durch das Haupttor, auf dessen anderer Seite wir von den Souvenirständen empfangen wurden. Und mir klappte der Unterkiefer hinunter. Die Mönche! Hier waren sie, saßen an den Tischen und verkauften Nippes. Man möge mir das Wort verzeihen, doch es war unwürdig.

Doch was hatte ich erwartet? Kampfesszenen, alles ganz authentisch und ganz zufällig nur für mich zu bestaunen? Ein Anflug von schlechtem Gewissen kam auf. Wer die Tänze der amerikanischen Ureinwohner bestaunen will, der sollte sich von geführten Touren durch Nationalparks fernhalten. Natürlich galt dasselbe für die Shaolin Mönche. Wir fotografierten ihre Tempel, ihre Stelen, mancher Besucher sogar ihre Buddha Statuen. Die Authentizität, so schien es mir, nahm mit jedem geschossenen Foto ein wenig mehr ab.

Dass das Original Shaolin Restaurant nicht geheizt war und wir uns nur an der Tasse Tee die Hände wärmen konnten, die Füße und der Rest jedoch weiterhin nass und kalt blieb, schien mir nur gerecht.

Ich verließ das Gelände enttäuscht, und konnte nicht recht einordnen worüber. Über das Gelände selber, das doch in Teilen wunderschön und absolut eindrucksvoll gewesen war, über meine nicht erfüllten Erwartungen oder vielleicht eher über diese Erwartungen an sich.

Im Bus sprachen wir über unsere Eindrücke. Wir fühlten alle ähnlich. Die Hoffnung sagte uns, dass sich die Mönche vielleicht woanders hin zurück gezogen haben, ihren alten Haupttempel vielleicht dem Ansturm an Touristen opfern mussten. Dass der Dienst an den Souvenirständen und Beam Arte M bett vielleicht eine Art Eingansdienst für die jungen Mönche im ersten Jahr ist, bevor sie sich in die Ruhe und Abgeschiedenheit eines weniger zugänglichen Tempels zurückziehen können. Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Doch so ist das nun mal mit den Vorstellungen und den Hoffnungen. Sie treffen nur selten die Realität.

Xi’an, Hauptstadt der Provinz Shaanxi und unter der Qin-Dynastie die erste Kapitale des Kaiserreiches China, ist eine geschichtsträchtige Stadt. Und unser nächster Stopp auf der Reise durch China. Xi’an, Ausgangspunkt der legendären Seidenstraße, ist von jeher ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Das spürt man auch heute noch, wenn man etwa durch die engen und verwinkelten Gassen des muslimischen Viertels streift.