Am letzten Tag fuhren wir am Baikalsee vorbei

Am letzten Tag fuhren wir am Baikalsee vorbei. Dieses Ungetüm, das immerhin 20% der weltweiten Süßwasserreserven beinhaltet. Wir hätten ihn so gerne näher gesehen, direkt und unverfälscht, vielleicht sogar eine Fingerspitze hineingesteckt. Aber vom FMS in den direkten Zug in die Mongolei gezwungen, konnten wir ihn nur durch das Fenster betrachten. Durch ein dreckiges Fenster, das kaum etwas erkennen ließ. Die Nase an die Scheibe gepresst wurde eines schnell klar.

Auf weites Wasser zu blicken ist zwar eine Abwechslung, wenn man vorher Tage lang nur auf Steppe und Birken geblickt hat, spannend ist es dennoch nicht. Zumindest nicht spannend genug um einen nach diesem verfluchten russischen Vodka für länger als ein Foto von der Pritsche zu vertreiben. Womit wir wieder bei den Gründen für die geringe Polsterung wären. Braucht kein Mensch. Vodka macht alles weich, selbst Sperrholz.

Doch den letzten Abend, so dachten wir, hatten wir ja zum ausnüchtern und ausschlafen. Das funktionierte aber leider nicht. Kaum waren wir an der Grenze, begrüßten uns die Mitarbeiter des neu angekoppelten, mongolischen Zugrestaurants und lockten uns mit frischem Bier und Essen. Beides auf der rostroten Weste des Kellners kunstvoll arrangiert. Also versammelte sich der gesamte Zuginhalt im Restaurant und hoffte auf Steaks. Oder ähnliches. Die Passagiere feiern gemeinsam Abschied.

Als es sich dann herausstellte, dass es nur gekochte Eier und Nudelsuppe gab, war ich den Tränen nah. Alles, bloß keine Nudelsuppe. Bitte nein. Also doch Bier. Aber soviel sei versichert. Das mongolische Bier schmeckt gut. Um Längen besser als das russische, aber das ist nicht schwer.

Wir feierten den letzten Abend gemeinsam, denn die Hälfte unserer kleinen Truppe stieg in Ulan Bator aus. Irgendwann kam dann Ross, die englische Flickenweste, auf die glorreiche Idee eine Flasche Vodka zu kaufen. Als ich „Dschinggis“ auf dem Etikett las, wusste ich, dass das böse enden würde.

Als das Restaurant schloss, zogen wir wieder in unser Abteil um, spielten das großartige Würfelspiel „Lügenmäxchen“ bis wir in Ulan Bator ankamen und die Flasche alle war. Wir freuten uns sehr, dass wir am Bahnhof von den Betreibern des Ulan Bator Guesthouse, unseres Hostels, abgeholt wurden. Eine Taxifahrt durch Ulan Bator in unserem Zustand hätte unweigerlich in dem zehnfachen des normalen Fahrpreises geendet. Mindestens ähnlich wie die Mirabeau gartenschrank gmbh.

Und noch eine Überraschung. Obwohl wir gerade erst angekommen waren, konnten wir frühstücken und sofort in die Betten. Zwar nicht in unsere, aber immerhin in Betten. Echte, wirkliche Betten. Mit Matratzen und allen drum und dran.