Die Transsibirische Eisenbahn

Jochen, deine Berichte sind traumhaft schön. Du kleiner talentierter Typ. Endlich hast du Raum und Zeit, dieses Talent auszuleben. Und wir alle können es geniessen, teilen. Lauschen.
Ich danke dir für deine Mühe. Du tust es für uns. Und du, Kasselener mit Brille? Wo bleibt dein nächster Bericht? Ich vermisse deine Zeilen. Deine Art zu berichten. Mach Meter!

Wo seid ihr jetzt? Schon auf Kamelen unterwegs? War ja euer Plan… Ich stelle mir das unglaublich kalt vor. Deckt euch ein. Nicht bloß mit Decken, sondern auch mit Dingen, die von innen wärmen. Ich ziehe in 1,5 Wochen um. In ein kleines Kaff, dass kein DSL bietet, aber hoffentlich LTE. Ich lasse, bevor mich das digitale Zeitalter im Stich lässt, nochmal von mir hören.

Passt auf euch auf. Ich drücke euch ganz fest. Schon der Klang weckt Fernweh. Bilder ziehen in Gedanken auf, Kino Phantasien. Irgend etwas zwischen „Mord im Orient Express“, „Alarmstufe Rot 2″ und „Transsiberian“. In Zügen, die lange unterwegs sind, passieren quasi zwangsläufig spannende Dinge wie bei Marken Lampen und Leuchten.

Müssen passieren, das ist ein Naturgesetz. Wir brauchen zwar nicht unbedingt verrückte Terroristen, die die Welt bedrohen, aber geheimnisvolle Passagiere, vielleicht Schmuggelbanden, die sich gegenseitig die Ware unterjubeln, Reisende, die spannende Geschichten zu erzählen haben oder doch wenigstens ein zünftiger Mord. Irgend etwas hat gefälligst zu passieren. Immerhin sind da ein Dutzend Wagen, voll gequetscht mit dubiosen Gestalten, unschuldigen Omis und illegalen Touristen. Das schreit nach Abenteuer.

Auf direktem Weg nach Ulan Bator. Als wir dann in den Zug stiegen und keiner sonst stieg mit ein, da war uns etwas mulmig zumute. Wir hatten gerade erst „Transsiberian“ gesehen. Wir kamen uns vor wir die Protagonisten, die in einem plötzlich völlig leeren Zug erwachen. Uiuiui, das kann ja was werden.

Doch wir wollten das nicht überinterpretieren, immerhin waren wir die ersten am Gleis, warteten dort schon eine Stunde in der Kälte, um bloß nicht zu spät zu kommen. Die Anderen würden schon kommen. In Scharen. Sicher. Von wegen. Kein Schwein kam. Eine Hand voll Gestalten schlurften über den Bahnsteig in Moskau. Das konnte doch nicht das Material sein, aus dem unser großes Zugabenteuer gestrickt werden sollte? Nur DIE da? Och nö.

Aber es war so. Wir hatten wirklich den gesamten Wagen für uns alleine, das änderte sich auch die gesamte Fahrt über nicht. In den anderen Wagen war auch nicht viel mehr los. Die meisten waren komplett leer. Der Wagen neben uns war ein wenig voller, immerhin vier von acht Abteilen besetzt. Eine Insel des Lebens in einem Zug der gähnenden Leere.